Die Menschen in früheren Zeiten waren den Naturgewalten sehr stark ausgeliefert. So hat beispielsweise das Wasser Uetendorf besonders geprägt. Die Hauptrolle spielte dabei die Kander. Sie floss ursprünglich durch das Glütschbachtal und über die Thuner Allmend der Aare zu. Ihr Bett verlief etwa dort, wo sich heute der bewaldete Streifen am Rand der Thuner Allmend befindet, ungefähr den Gemeindegrenzen Thun-Thierachern und Thun-Uetendorf entlang. Wo heute die Strasse dieses Wäldchen durchquert, befand sich früher eine Brücke, auf der die Thuner eine ihrer äusseren Zollstellen betrieben. Der Name des Restaurants Zollhaus zeugt noch heute davon. Aber auch auf Uetendorfer Seite lebt die ehemalige Brücke in den Bezeichnungen Brüggmatte und «uf der Brügg» weiter.
Etwa so dürfte es häufig im flachen Teil Uetendorfs vor den Kander- und Aarekorrekturen ausgesehen haben (Aaregiesse bei Uttigen)
Etwa bei der heutigen Zulgmündung floss früher auch die Kander in die Aare. Sowohl Zulg wie Kander führten viel Geschiebe mit sich. Die damals viel bescheidenere Aare mehr als die Hälfte des heutigen Wasserabflusses stammt aus der Kander war nicht imstande, das Zulg- und Kandergeschiebe abzuführen. Durch den abgelagerten Schutt erhöhte sich das Kanderbett ständig. Auch die intensivsten Arbeiten an den Seitenverbauungen konnten nicht verhindern, dass es dauernd zu Überschwemmungen und Verwüstungsschäden kam. Aber nicht allein die direkten Überschwemmungsschäden waren Schuld daran, dass in der Gegend von Thierachern, Uetendorf, Uttigen und Kiesen um 1700 mehr als 300 Haushaltungen in bitterste Armut kamen. Die Leute in den einzelnen Gemeinden mussten pro Jahr bis zu 85 Tage Schwellen- und Schutzarbeiten verrichten, natürlich ohne jeglichen Lohn. So blieb während dieser Zeit die andere Arbeit eben liegen. Dass unter diesen harten Bedingungen manch einer Trost im Alkohol suchte, mag daher nicht besonders erstaunen. Die Aussage des bernischen Notars Abraham Schellhammer, der 1718 schrieb, «Uetendorf sollte eigentlich Wüstendorf heissen wegen der schlechten Häuser, Gassen und Leuten», tönt etwas ungerecht. Die bernische Regierung wurde von den gebeutelten Gemeinden immer wieder gebeten, etwas gegen die wütende Kander zu tun. Am 14. Februar 1700 beschloss der Grosse Rat gegen heftigsten Widerstand Thuns, das Überflutungen der Stadt befürchtete, die Kander in den Thunersee einleiten zu wollen. Nach langem Hin und Her beschloss der Grosse Rat 11 Jahre später, mit dem Bau zu beginnen. Es wurde vorgesehen, einen Graben durch den Strättlighügel zu ziehen. Dazu sollten die Anliegergemeinden die Fronarbeiter stellen, unterstützt von Taglöhnern und 100 von der Regierung geschickten Schallenwerkern (Sträflinge).
Weil die mit Pickel und Schaufel ausgeführten Arbeiten nur langsam vorankamen, beschloss man sodann, lediglich einen Stollen durch den Berg zu graben. Am 12. Dezember 1713 floss bereits ein kleiner Teil des Kanderwassers durch den Stollen und im Juli 1714 schliesslich alles. Bereits im August 1714 brachten die Wasser den Stollen zum Einsturz und schufen so doch noch eine Schlucht durch den Strättlighügel. Damit war die schlimmste Last von Uetendorf genommen. Wie von den Seegemeinden und Thun befürchtet, traten die Überschwemmungen jetzt dort auf, weil der Wasserspiegel des Thunersees sich mächtig hob. Verschiedene Korrekturen am Aareausfluss brachten zwar einige Verbesserungen, gelöst wurde das Problem aber erst mit der Aarekorrektion zwischen Thun und Bern (18711878).
Erdbeben: Auch von Erdbeben wird berichtet: 829, 1356, 1568, 1569, 1584, 1601, 1653, 1685, 1729, 1756 und 1821. Zwar waren jeweils auch einige Sachschäden zu beklagen, das Ausmass einer Katastrophe wurde aber nie erreicht. Trotzdem waren die Leute immer stark beeindruckt.
Ausserordentliche Wetterlagen traten auch schon früher auf:
Immer wieder tauchte als furchtbare Geissel die Pest auf. Uetendorf dürfte ebenso wie Thun davon betroffen worden sein, denn dort wird 1213 ein grosses Sterben erwähnt. Die Geissel der Pest trat auch in den Jahren 1350, 1438, 1479, 1500, 1502, 1527 und 1534 auf. Besonders schlimm grassierte sie 1564/65, als im Kanton Bern 137000 Personen, im Kapitel Thun 11988 Personen starben. Viele Opfer gab es aber auch 1577, 1583, 1588, 1611/12 und 1628. 1669 wütete die Pest im Oberland. Als Gegenmassnahmen wurden Stadttore geschlossen oder bewacht, der Schiffsverkehr unterbrochen, Märkte abgesagt und auswärtige Marktbesuche unterbunden. Neben der Pest forderten aber auch immer wieder andere epidemieartig auftretende Krankheiten zahlreiche Opfer.