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Route 2 – Objekt 15: Das Zehntenhaus

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Hinter dem Altersheim führt uns der Weg zum Zehntenhaus.

Das Zehntenhaus

Eindrucksvoller breiter Riegbau unter weit über das Obergeschoss hinabgezogenem, leicht geknicktem Dach mit Ründi, erbaut 1748–49, 1984 restauriert und in ein öffentliches Mehrzweckgebäude umgewandelt. Das Zehntenhaus diente der Abgabe und Einlagerung des Zehnten (zehnter Teil des Ertrages an Feldfrüchten und jungen Haustieren). Der Zehnte war Einnahmequelle für den Staat und auch für die Kirche. Im Jahr 1803 wurde das Zehnten-Gesetz aufgehoben. Heute kann das Haus für Anlässe gemietet werden.
Vermietung Zehntenhaus

 Dachstock Zehntenhaus mit alten Gerätschaften

Das Stöckli

Das Stöckli aus dem 19. Jahrhundert wurde 1984 hierher versetzt und restauriert. Die Räumlichkeiten werden von der Musikschule genutzt.

Zehntenhaus mit Stöckli

Wir gehen links hoch zur Kirche und biegen danach rechts Richtung Eichberg ab.

Die Burgergemeinde Uetendorf

Bis 1865, als das Gemeindevermögen zwischen der Einwohner-, der Kirch- und der Burgergemeinde aufgeteilt wurde, war die Burgergemeinde Grossgrundbesitzerin, gehörten ihr doch 487 Jucharten oder mehr als 174 Hektaren Land. Sie trat damals einen grossen Teil dieses Besitzes der Einwohnergemeinde ab und entledigte sich dafür weitgehend den Fürsorgeverpflichtungen.

Webseite Burgergemeinde Uetendorf

Das nordwärts im Hintergrund gelegene Burgergut Fältschermad befindet sich seit 1930 im Besitz der Burgergemeinde, gleich wie das Land hinter der SBB-Linie auf der Unteren Allmend. Das anschliessende Land bis zur Aare (Amerikaegge) hält die Burgergemeinde von der Stadt Bern in Pacht.
Fältschermad wird erstmals im Jahr 1303 erwähnt, als Schultheiss, Rat und Burger von Stadt und Republik Bern die sogenannte Löhrenallmend an Mechthild von Veltschen (daher der Flurname) zu Erblehen gaben. 1457 stiftete Anna von Veltschen die Uetendorfer Matten dem Spital von Thun, welche diese bewirtschaften liessen. Durch den Bau der Eisenbahnlinie 1859 wurde das Gut durchschnitten. Der aareseits gelegene Teil des Guts, von rund 90 Aren, wurde an den Fürsprech Samuel Bischof versteigert. 1889 wollte das Spitalamt der Burgergemeinde Thun auch den anderen grösseren Teil von gut 20 Hektaren versteigern, jedoch fiel dazumal kein genügendes Gebot. 10 Jahre später kaufte Johann Adolf Lanzrein, Thuner Burger und Müllermeister, dem Spital die Fältschermad ab. Wegen Familienzwistigkeiten unter den Söhnen, konnte 1925 der Zürcher Konrad Bürkli das Gut kaufen. Als dieser nur fünf Jahre später an einem Heuschnupfen starb, welcher er nicht auskuriert hatte, bemühte sich Rudolf Lanzrein vergebens das Gut von der Burgergemeinde zurückzukaufen.

Alfred Grundbacher, ehemaliger Nachbar von Konrad Bürkli, erinnerte sich: Als das Gut 1925 versteigert wurde, habe ein kleines Männchen mit weisser Mähne das letzte Bott gemacht. Vor dem Zuschlag habe Notar Jenni den Käufer nach Bürgen gefragt. Er sei selber sein Bürge erwiderte dieser und blätterte 300 Tausendernoten auf den Tisch. Hans Konrad Bürklin stammte aus einer reichen Zürcher Familie; Konrad Escher von der Lindt und die Pestalozzis gehörten zu seiner Verwandtschaft. Er war Junggeselle, stets mit Gehrock, Goggs und „Filàfil“-Hosen gekleidet. Zum Mittagessen kam er mit seinen Bernhardinern ins Kreuz oder in die Krone.