Flurnamen wie Silbermoos, Änteried und Breitmoos weisen auf ein weiteres wichtiges Landschaftselement in Uetendorf hin. Im Bereich des Limpachtals und in den Mulden der Hügelzone treten ausgedehnte Moorböden auf. Solche Böden haben eine meist mehrere hundert Jahre dauernde Entwicklungsgeschichte hinter sich. Eine Voraussetzung für ihre Entstehung war ein lehmiger, undurchlässiger Untergrund, der Staunässe hinterliess. In solchen Senken konnten sich verschiedene Riedpflanzen und Torfmoose ansiedeln, die im Laufe der Zeit mächtige wasserdurchtränkte Teppiche bildeten. Die abgestorbenen Teile der Moorpflanzen wandelten sich in einem langsamen Prozess zu Torf. Die Torfböden entzogen sich lange Zeit einer intensiveren Nutzung. Einzig weniger vernässte Flächen liessen sich als Riedwiesen zu Streuezwecken nutzen. Nach geeigneter Entwässerung der Moore, die in der Schweiz ab 1850 einsetzte, konnte Torf als billiger Brennstoff gestochen werden. Aus Aufzeichnungen aus dem Jahr 1920 von alt Lehrer Pfister geht hervor, dass im Limpachtal schon vor der allgemeinen Aufteilung im Jahr 1861, als 11 Bürger Torfland bekamen, Torf gestochen worden ist. «Über 100 Männer und Weiber sollen dabei mit Wort und Tat geholfen haben.» Und weiter: «nur in den letzten Jahrzehnten scheint nicht viel gegangen zu sein. Der Untergrund ist ein blasser, zäher Lehm; auch Mergel konnte gesehen werden.»

Das Limpachbad, am alten Verbindungsweg zwischen Thun und Schwarzenburg gelegen, bezog sein Badewasser aus dieser Umgebung. «In der Entfernung einer halben Viertelstunde südwestlich entspringen in sumpfigem Erdreich, nahe bei einander, 4 Quellen», steht im Bäderführer von 1824. «Die Lage des einzeln stehenden Gebäudes ist heiter und freundlich in einer weiten Vertiefung zwischen geringen, sanft ansteigenden und angebauten Höhen», liest man im Bäderführer. Nicht nur das Bad zog Gäste an: «Vormals sammelten sich hier von nah und fern die Jäger zur Übung froher Lust in Wald und Sumpf.» Von den idealen Jagdbedingungen im Limpachmoos schwärmt 1802 (s. Abb. Seite 95) Rodolph de Luternau, der einstige Schlossherr von Amsoldingen: er habe ganz allein in 21 Tagen, wovon noch drei Sonntage abzurechnen seien, 108 Bekassinen (!) geschossen «Mein Hund Bellone war nur gerade 14 Monate alt», fügt er bei.

Der Limpach entwässert das gegen Kirchdorf sanft ansteigende Tal.
Der Limpach entwässert das gegen Kirchdorf sanft ansteigende Tal.

Die Entwässerung des schönen Limpachtales erfolgte erst in unserem Jahrhundert. Die Flurgenossenschaft der Uetendorf- und Limpach-Möser ist erst 1916 gegründet worden: «Die Eigentümer des entwässerungsbedürftigen Bodens im Limpachthale zwischen Kirchdorf und Uetendorf, im Gibliz, Wahlenbach, Trubbühl und Frohnholz vereinigen sich zum Zwecke der Entwässerung dieser Gebiete mittels Kanalisation und Drainage, sowie zur Durchführung einer Güterzusammenlegung, verbunden mit der Erstellung von Feldwegen in Limpachmoos, Gemeindebezirk Uetendorf zur Flurgenossenschaft der Uetendorf- und Limpach-Möser, mit Sitz in Uetendorf». Die Entwässerungsarbeiten wurden 1917 in Angriff genommen, sie gestalteten sich schwieriger als vorgesehen. Bereits im August 1917 trafen sich die Gemeindebehörden von Uttigen und die Flurgenossenschaft nach einem Hochwasserstand. «Herr Grädel (Gemeindepräsident von Uttigen) weist nun darauf hin, dass die bis heute ausgeführten Arbeiten der Drainage und Bachkorrektion an den gegenwärtigen Überschwemmungen mitgewirkt haben, da das Wasser rascher zufliesst und den Glütschbach zurückstaut Im ganzen Limpachmoos sei alles unter Wasser.» Bereits Ende 1918 zeichnete sich eine Kostenüberschreitung ab: «Die immer zunehmende Teuerung verursachte eine Erhöhung der Arbeitslöhne bis auf 100%. Die Ausführungskosten werden demnach viel grösser werden als vorgesehen, namentlich auch aus dem Grunde, weil die Terrainverhältnisse viel schwieriger waren, als vermutet wurde.»

Heutzutage sind Moore in der Region selten geworden und viele Sumpfpflanzen und Tiere sind vom Aussterben bedroht. Der Lokalchronist Hermann Hofmann beschreibt die damaligen Veränderungen im Limpachmoos auf eindrückliche Weise:

«Es anders chlys Paradies isch ds Limpachmoos gsi, wo zur Nachbargmeind Uetedorf ghört het. Das sumpfige Täli het dennzumal viil romantischer usgseh als hütt. Am Limpach, däm stille Gwässer, sy allerlei Studere u verchnorzeti Wydestöck gstande, u näb em Schilf hei guldgälbi Schwärtlilie us em Wasser glüüchtet. Im Limpach sälber hets viil Fische gha, Forälle u grossgschuppeti Yscher. Mit chlyne Netz hei mer se gfange u daheim sy si bbräglet worde. Früecher het me im Limpachmoos Turbe gstoche; später aber nümme. Was bbliben isch, sy töiffi Löcher gsi, wo sech Wasser aagsammlet het. Un i däne Glungge hets Hunderti vo Frösche un Unke gha, wo am Aabe, wes het aafa fyschtere, es Quakkonzärt ggä hei, wo me bis zur Landstrass ueche ghört het. O Molche u Ringelnattere isch me nid sälte begägnet. Graureiher u Weie hets o gha, aber o allerlei Singvögeli, wo scho am Morge früe gliedet hei. Schmätterlinge i allne Farbe sy vo Blueme zu Blueme tanzet: der Schwalbeschwanz, der rot Ordensbandfalter, der Pappelschwärmer, der Kaiser- u der Truurmantel u mängen andere. I de viile Strüücher het me sälteni Roupe i allne Farben aatroffe. Mi het nume d Ouge müessen offe haa. Im Limpachmoos hei d Kanalisationsarbeite no lang aadduuret u hei schliesslech ds Gsicht vom früechere sumpfige Täli starch veränderet. Us däm unberüerte Naturparadies, wo mir Buebe so mängs Schöns erläbt hei, isch fruchtbars Kulturland worde. Üser Buure hei di Ufwärtig vo ihrem Land zwar gschetzt, aber verloreggange isch trotzdäm öppis. Das alte Limpachbett mit de verchnorzete Wydestöck het eme schnuergrade Kanal mit ygleite Zymäntschale müesse Platz mache. Dert, wo einisch Sumpfland mit Schilf u Lische isch gsi, gseht me hütt grossi Maisfälder, Pflanzächer u Mattland. Aber äbe: Wi schön müesstis für di hüttige junge Lüt doch sy, we si no so nes chlys unberüerts Fläckli Ärd für sich hätte, wi mirs als Buebe gha hei!»

Die oben geschilderten Torfstiche sind schon bald mit Schutt aufgefüllt worden. Von den seltenen Riedpflanzen haben sich bis heute auf feuchten Wiesen im Änteried und Silbermoos noch schöne Bestände der Kuckuckslichtnelke halten können. Ein zartrosa Schimmer liegt über diesen frühsommerlichen Wiesen, es sind die letzten Zeugen der einst ausgedehnten Sumpflandschaft in unserer Gemeinde. Die aktuelle Bedeutung dieser Feuchtwiesen ist vielfältig, sie dienen zahlreichen Insekten und den bei uns brütenden Kiebitzen ebenso wie vielen durchziehenden Vögeln als wichtiger Ruhe- und Nahrungsplatz.

Landwirtschaftlich genutzte Torfböden (hier im Änteried) senken und verdichten sich im Lauf der Zeit.
Landwirtschaftlich genutzte Torfböden (hier im Änteried) senken und verdichten sich im Lauf der Zeit.